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So löschen Sie Apps und ungenutzte Daten von Ihrem Smartphone

Aug 26, 2022
3 Min.
Ob Apps, die sich zu viele Berechtigungen genehmigen, oder verwaiste Daten auf ausrangierten Smartphones: hierbei sollten Nutzer einiges beachten.
Alina Fill

Wer kennt das nicht: Apps auf dem Smartphone räumen sich oft eine grosse Zahl an Berechtigungen ein, um auf Kamera, Sensoren, die Foto-Galerie oder auch das Adressbuch zuzugreifen. Meistens sind diese Berechtigungen notwendig, um die Funktion der jeweiligen App zu ermöglichen – so hat etwa eine Navigations-App ohne Zugriff auf die GPS-Funktion des Telefons denkbar schlechte Karten. Viele Apps genehmigen sich allerdings mehr Zugriffsmöglichkeiten, als zum Betrieb eigentlich notwendig sind. Schlimmer noch: auch, wenn ein Smartphone bereits ausrangiert ist, lauern weitere Gefahren. Findige Hacker können die dort gespeicherten App- und Betriebssystem-Daten auslesen, falls sie nicht konsequent gelöscht wurden. Lesen Sie hier, wie Sie für alle Fälle vorbeugen.

Sowohl unter iOS als auch unter Android fragt die App nach der Installation oder beim ersten Start nach Berechtigungen. Schon hier sollten Sie wählerisch sein: eine Spiele-App benötigt wohl kaum Ihre Standortdaten – es sei denn, um Sie mit ortsbasierter Werbung zu erfreuen. Und auch die elektronische Wasserwaage wirkt zurecht, wenn sie Zugriff auf die Mikrofon-Funktion einfordert. Im Zweifelsfall sollten Sie eine besonders „unverschämt“ agierende App lieber gleich wieder deinstallieren. Wollen Sie sie behalten, lässt sich für jede einzelne Anwendung auch nachträglich die Art der erlaubten und verbotenen Zugriffe justieren. Unter Android geschieht dies im „Berechtigungs-Manager“, auf iOS-Geräten unter „Einstellungen > Datenschutz“.

Darüber hinaus lohnt es sich, die Nützlichkeit der installierten Apps von Zeit zu Zeit zu überprüfen – und alle Programme vom Gerät zu entfernen, die ohnehin nie genutzt werden. Besonders nützlich: seit 2021 entzieht Android die Berechtigungen für ungenutzte Apps automatisch, wenn diese einige Monate nicht in Gebrauch waren; dies funktioniert mittlerweile für alle Betriebssystem-Versionen ab Android 6.

Ein weiteres Problem bleibt aber bestehen: Die von Apps und Betriebssystem abgelegten Daten bleiben auch gespeichert, wenn das Telefon gar nicht mehr genutzt wird. Rund 206 Millionen nicht mehr genutzte Handys und Smartphones horten die Deutschen zuhause – das ergab eine Erhebung des Branchenverbands Bitkom für das Jahr 2021. Die meisten Geräte sind längst vergessen und in den Winkeln von Schubladen und Schränken verschwunden. Dass die Anzahl ungenutzter Altgeräte seit Jahren steigt, liegt nicht nur daran, dass sie etwas umständlich in kommunalen Sammelstellen, etwa den Wertstoffhöfen der Abfallwirtschaftsbetriebe, abgegeben werden müssen. Viele Verbraucher sind auch besorgt, dass die auf den Geräten gespeicherten Fotos und Dateien in falsche Hände geraten könnten. Dabei ist es ganz einfach, selbst vorzusorgen: Bevor das ausgediente Smartphone entsorgt oder weiterverkauft wird, können alle Daten restlos entfernt werden – auch auf älteren Geräten.

Werden Daten auf einem Smartphone gelöscht, etwa beim Entfernen einer nicht mehr benötigten App, bedient sich das Betriebssystem eines Tricks: Statt den freizugebenden Speicherbereich tatsächlich zu überschreiben, wird lediglich der betreffende Eintrag im Inhaltsverzeichnis des Speichers entfernt – die Daten sind also physisch noch vorhanden. Im Alltag hat sich diese „Abkürzung“ des Betriebssystems bewährt: Das Löschen eines Eintrags im Inhaltsverzeichnis geht schneller vonstatten als ein Überschreiben und schont den Akku des Geräts.

Für den Nutzer ergibt sich daraus erst dann ein Nachteil, wenn er seine Daten endgültig löschen möchte, beispielsweise vor dem Verkauf des Handys. Das Problem: sind lediglich die Einträge im Inhaltsverzeichnis gelöscht worden, kann der nächste Besitzer die Daten mit wenig Aufwand wieder lesbar machen. Tiefergehende Technik-Kenntnisse sind dafür nicht notwendig. Mit Programmen zur Datenrettung, die in den App-Stores frei verfügbar sind, lassen sich die physisch noch vorhandenen Dateien aufspüren und wiederherstellen.

Aber keine Panik – sowohl unter iOS als auch auf Android-Geräten stehen Möglichkeiten bereit, diese Klippe zu umschiffen: Besonders sicher ist die Verschlüsselung aller Gerätedaten auf Ebene des Betriebssystems, mit der die endgültige Datenvernichtung besonders einfach ist. Bei älteren Geräten, die das Verschlüsseln nicht unterstützen, ist ein sicheres Löschen auch kein Hexenwerk und lediglich mit etwas mehr Aufwand verbunden.

Smartphone verschlüsseln

Bevor Sie Ihr Smartphone endgültig löschen, sollten sie erst einmal prüfen, ob eine Verschlüsselung des Speichers grundsätzlich möglich ist. Auf Android-Geräten besteht diese Option seit der der Version 5.0 Lollipop (2014), allerdings ist sie nicht auf allen Geräten standardmässig aktiviert; auf Apple-Geräten ist das die Verschlüsselung seit iOS 7 (2013) automatisch aktiviert. Der Vorteil der Verschlüsselung: Setzen Sie das Telefon auf Werkseinstellungen zurück, wird der geheime Schlüssel, der zum Auslesen der Daten notwendig ist, unwiederbringlich gelöscht. Die verschlüsselten Daten können danach nicht mehr wiederhergestellt werden – falls es also einem Unbefugten gelingen wollte, den Speicher des Geräts auszulesen, sind die dabei erbeuteten Daten buchstäblich das reinste Kauderwelsch, anhand dessen sich keine Informationen rekonstruieren lassen.

Vorgehen bei Altgeräten

Was aber, wenn das Betriebssystem so alt ist, dass eine Verschlüsselung noch nicht unterstützt wird? In diesem Fall müssen sich Nutzer eines zusätzlichen technischen Kniffs bedienen: der Speicher wird physisch mit einer zufälligen Abfolge von Nullen und Einsen überschrieben. Das dauert lange, ist aber die sicherste Möglichkeit, auch älteren Geräten zu einem sicheren Löschvorgang zu verhelfen. Die notwendigen Schritte sind bei iOS und Android jeweils unterschiedlich: Bei Apple-Geräten mit iOS 1 bis 6 müssen sie das Telefon zwingend mit einem Computer (Mac oder PC) verbinden und die vorhandenen Daten mit einem Programm wie Dr. Fone Data Eraser (iOS) oder iShredder iOS 4 überschreiben. Bei Android (ab Version 4) setzen Sie das Gerät zunächst auf den Werkszustand zurück und können danach eine App wie cb Eraser oder iShredder 6 aus dem Playstore laden, die das Überschreiben des Speichers übernimmt. Das Anschliessen an einen Rechner ist bei den alten Android-Modellen also nicht notwendig.

Ob ungenutzte Daten auf alten Smartphones oder übermässig neugierige Apps – wenn Sie diese Tipps beherzigen, schlagen Sie Datendieben ein Schnippchen und sorgen dafür, dass persönliche Daten privat bleiben.Cyber-Kriminalität – wie Sie Ihr Unternehmen schützen!

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