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Belauscht uns unser eigenes Smartphone?

Jun 28, 2022
2 Min.
Smartphones sind unsere ständigen Begleiter. Doch die installierten Apps geben ihnen die Möglichkeit, uns zu belauschen. Wie man das verhindern kann:
Alina Fill

Als Kinder hatten viele von uns den Wunsch, Geheimagent zu spielen. Heimlich eine Konversation zu belauschen war dabei die ganz grosse Herausforderung. Doch als Dreikäsehoch flog man eben schnell auf bei dem Versuch, Mama und Papa am Frühstückstisch zu bespitzeln. Aber nicht nur für Kinder ist der Traum der Spionage reizvoll. Auch Unternehmen machen sich, dank modernster Technik, das „Mithören“ zunutze – ohne dass der Firmenspion hinter unserer Wohnzimmertür lauert, ganz einfach über unser eigenes Smartphone. Wie Firmen es schaffen, uns über unsere Handys zu belauschen und was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier: 

Das Gefühl überwacht zu werden – Einbildung ist auch eine Bildung?

Diesen Satz haben Sie in Ihrem Leben sicherlich auch das ein oder andere Mal gehört. „Einbildung ist auch eine Bildung“. Doch was ist, wenn die eigene, vermeintliche „Einbildung“ Sie eben gar nicht täuscht, sondern etwas Wahres dran ist? Dann wird es schnell gruselig. Und genau das ist das Stichwort. Gruselig. Ihnen ist es sicherlich auch schon passiert: Sie scrollen durch ihre Timeline bei Instagram, Werbung wird Ihnen ausgespielt. Ein Aftershave, ein Sportgerät – alles Dinge, die Sie sich in letzter Zeit online angeschaut haben. So weit, so normal. Aber plötzlich ploppt eine Werbung auf, die sich um Lippenstift dreht. Sie sind verwirrt, denn danach haben Sie mangels Interesse noch nie gesucht.

Schnell kommt der Verdacht auf: Mein Smartphone muss mitgehört haben. Denn über das Thema „Lippenstift“ haben Sie nur gestern Abend gesprochen, als Sie zum Dinner mit Freunden in einem Restaurant eingeladen waren. Die Frau Ihres Freundes hatte lang und breit über ihre neue Lieblings-Lippenstiftfarbe schwadroniert. Das muss es gewesen sein! Oder?

Im Dezember 2017 erschien ein Bericht der New York Times, der vielen Smartphone-Nutzern einen gehörigen Schreck einjagte: So sollen rund 1.000 Apps aus dem Google Play Store sowie dem Apple App Store ihre Nutzer belauschen. Viele dieser digitalen Spitzel sind dabei als harmlose Spiele getarnt. Ziel seien dabei aber nicht Ihre privaten Gespräche, sondern Ihr Fernsehnutzungsverhalten. Die Aufnahmen sollen so vermeintlich nur zu Werbezwecken genutzt werden. 

Lauschende Handy-Apps?

Der Verdacht liegt nahe, dass es das Mikrofon des Smartphones ist, welches sich ohne Wissen des Nutzers einschaltet. Und das funktioniert wie folgt: Wenn wir eine neue App auf unserem Handy installieren und voller Vorfreude auf die Welt im Display starren, entgeht uns ein wichtiger Faktor – das Lesen der Nutzungsbedingungen. Dadurch, dass wir so beschäftigt damit sind, uns auf die neue App zu freuen, werden wir ungeduldig. Ähnlich, wie beim Aufreissen eines Geschenks. Oder lesen Sie, was auf dem Geschenkpapier gedruckt steht? Wahrscheinlich eher nicht, denn Sie wollen wissen, was unter dem Papier ist. Mit diesem Glücksgefühl arbeiten auch App-Hersteller und setzen darauf, dass Sie sich eben keine AGBs oder anderweitige Bedingungen durchlesen.

Ist die App einmal installiert und alle Nutzungsbedingungen angenommen, hat ihr Smartphone die offizielle Erlaubnis, Sie zu belauschen. App-Entwickler sind dabei übrigens verpflichtet, Hinweise zu Abhörvorgängen durch das Smartphone in der App-Beschreibung in den gängigen App-Stores zu hinterlegen. Ausserdem ist in den Apps eine sogenannte doppelte „Opt-In“-Methode eingebaut, die Sie dazu zwingt, zweimal Ihre Zustimmung zu geben, bevor sie Sie abhört. Die erste Zustimmung müssen Sie der App vor der Installation erteilen und die zweite während der ersten Nutzung der App, kurz nach dem Start. Die Technik, die das „Mithören“ vieler Apps ermöglicht, ist die ACR-Technologie. Zu Deutsch: „Automated Content Recognition“. Sie ermöglicht es, Ihre Fernsehgewohnheiten über das Mikrofon Ihres Smartphones abzuhören.

Kann ich mich vor Lauschangriffen schützen?

Da diese Lauschangriffe technisch möglich sind, hat jeder auch eine Möglichkeit, sich vor ihnen zu schützen. Die drastische Variante ist hier natürlich, gar keine Apps auf dem Handy installiert zu haben. Da das in unserer modernen Welt undenkbar ist, gilt hier – lesen, lesen, lesen. Und: Den Zugriff auf das Mikrofon jeder App verwehren. Denn eine Liste mit allen Apps, die Ihr Smartphone abhören, gibt es derzeit noch nicht. Wenn Sie jedoch den inneren Sherlock Holmes zum Vorschein kommen lassen möchten, können Sie in Ihrem App-Store nach „Alphonso Software“ oder „Alphonso Automated“ suchen. Damit erhöhen Sie ihre Chancen, dass betroffene Apps angezeigt werden.Cyber-Kriminalität – wie Sie Ihr Unternehmen schützen!

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