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Differenzen im Gesundheitswesen: Bedenken um die digitale Identität

Jun 14, 2021
2 Min.
Das deutsche Gesundheitswesen zögert bei der Digitalisierung trotz ihrer zahlreichen Chancen. Die Sorgen um die digitale Identität dominieren.
Sonja Spaccarotella

Während die globale Arbeitswelt durch die Corona-Pandemie eine Digitalisierung im Schnelldurchlauf erlebt, zeigt sich das deutsche Gesundheitswesen von dem Trend unbeeindruckt: Jeder fünfte Arzt kommuniziert mit seinen Patienten per Briefpost, weitere 20 Prozent nutzen das Fax. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage unter 500 Ärzten, die im Januar vom Ärzteverband Hartmannbund vorgestellt wurde. Das Telefon bleibt demnach der beliebteste Kanal. Von digitalen Videosprechstunden und elektronischen Rezepten ist noch lange nicht die Rede. Oder sieht die Zukunft doch vielversprechender aus? Im Zuge des anstehenden bundesweiten Digitaltags am 18. Juni wird der aktuelle Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen vorgestellt – dabei stehen die digitale Identität und geeignete Schutzmassnahmen in Form von Identity und Access-Management-Prozesse (IAM) im Vordergrund.

Ein schnellerer Datenaustausch, geringere Komplexität und eine bessere Kommunikation zwischen den Ärzten – das sind nur einige Vorteile der Digitalisierung, die für den Gesundheitsbereich gelten. Der Wunsch nach digitaler Technologie im Klinik- und Praxisalltag ist da, aber es hapert an der Umsetzung. 

Digitaler Graben in der Ärzteschaft 

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen zeigt sich Deutschlands Ärzteschaft gespalten, so die Studien des Ärzteverbands Hartmannbund. Demnach betonen 86,4 Prozent der Klinikärzte die Chancen digitaler Technologien im Alltag, für nur zehn Prozent dominieren die Risiken. Anders bei den Praxisärzten: Hier zeigen sich nur 53 Prozent für die Digitalisierung offen, für fast 40 Prozent überwiegen die Nachteile. Der digitale Graben zwischen den Ärzten ist aber noch breiter. Beispielsweise sind Frauen bei der Digitalisierung aufgeschlossener und positiver gestimmt als ihre Kollegen. Und: Je jünger die Ärzte sind, desto mehr Potenzial messen sie digitalen Technologien bei wie etwa Gesundheits-Apps auf Rezept. 

Hohe Komplexität durch vielseitige Sicherheitsmassnahmen

Ausgangspunkt für die schleppende Digitalisierung im Gesundheitssektor ist die Kombination dreier wesentlicher Faktoren: Datenmissbrauch-Skandale in der Vergangenheit, Sorgen vor hohen Investitionen und der gestiegene Aufwand bei der Implementierung digitaler Technologien. Krankenhäuser müssen sich unter anderem seit Anfang 2021 der Telematik-Infrastruktur anschliessen. Um diese einrichtungsübergreifende Kommunikationsinfrastruktur zwischen Krankenhäusern, Ärzten und Apotheken vorzuhalten und die Funktionalität der IT-Systeme zu gewährleisten, bedarf es speziell erweiterter und ganzheitlicher Schutzmassnahmen. Die Folge ist ein Flickenteppich an Sicherheitsstandards im Gesundheitssektor, die durch die unterschiedlichen Anforderungen an die IT-Systeme entstehen und für Unsicherheiten sorgen. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Fluktuation der Patienten innerhalb der Arztpraxen: Befunde in Papierform können beim Austausch zwischen den Praxen schnell mal verloren gehen und Doppeluntersuchungen bewirken. Umso bedeutsamer sind durchgängig digitale Prozessketten im gesamten Gesundheitswesen. 

Digitalisierung gesetzlich zugesichert 

Um die Synergien im deutschen Gesundheitswesen durch digitale Technologien zu nutzen und die Patientenversorgung zu optimieren, hat der Bundestag Anfang Mai 2021 mit dem Gesetz zur Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) die dritte Regelung zur Digitalisierung im Gesundheitssektor verabschiedet. Damit rückt der Ausbau von Telemedizin und der Telematik-Infrastruktur in greifbare Nähe; Mitte des Jahres soll das Gesetzt bereits in Kraft treten. Neben dem verstärkten Einsatz von Gesundheits-Apps werden die Nutzung von Videosprechstunden vereinfacht und der Abruf der digitalen Patientendaten durch die Ärzte ermöglicht. Darüber hinaus werden die Funktionen der elektronischen Patientenakte erweitert sowie die Auswahl der Arzneimittel für eine Ausstellung des elektronischen Rezeptes vergrössert. 

Mit zunehmender Digitalisierung steigt für Klinik- und Praxisärzte die Relevanz der Datensicherheit und damit der Druck aus der Öffentlichkeit: Denn die digitale Identität und ihr Schutz vor Cyber-Attacken ist schon lange kein Randthema mehr. Es gilt, optimale Usability mit einem Höchstmass an Sicherheit zu vereinen. Dafür braucht es im gesamten Gesundheitswesen kongruente digitale Prozesse in Form einer IAM-Infrastruktur: Durch Identity- und Access Management-Anwendungen werden ein sicherer Zugriff auf die Patientendaten und ein reibungsloser Übergang zwischen den Behörden, Ärzten und Krankenhäusern gewährleistet. Zugleich reduziert die leichte Handhabung den Arbeitsaufwand. Am Ende dieser Entwicklung steht ein Plus an Sicherheit für die digitale Identität und für die Zukunft der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

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